Merlin plus 2 = Morgan plus 8

Dieser Artikel erschien im Heft 6/91 des deutschen KiTCAR Magazine

Merlin Sports Cars

Für einen automobilistisch weniger interessierten Mathematiker eine scheinbar unlösbare Gleichung mit zwei Unbekannten - für Jürgen Herberholz, Besitzer des im folgenden porträtierten Merlin, ist die Rechenaufgabe jedoch ohne jegliche Umstellung gelöst: Der Merlin bietet alles, was sich ein Roadsterfan vom englischen Morgan-Klassiker erhofft - in puncto Fahrfreuden eine gleichwertige Alternative.

Ein englischer Roadster sollte angeschafft werden und die Wahl war bereits auf einen Morgan plus 8 gefallen. Doch die Preise für die angebotenen Fahrzeuge erschienen Jürgen Herberholz allesamt überteuert. Für ein Gebrauchtfahrzeug sollte die gleiche Summe berappt werden, für die ehemals ein Neuwagen zu bekommen war.

Als Ersatz bot sich der Kauf eines Kit Cars an, und nach der Sichtung einschlägigen Prospektmaterials entschied sich Jürgen Herberholz schließlich für einen Merlin Bausatz, dessen Karosserieform ihm am meisten zusagte. Die Werkstattmitarbeiter der Fa. Herberholz - man produziert normalerweise Kühlanlagen - wunderten sich sicherlich nicht schlecht, als sie sich fortan zum Feierabendglockenschlag mit ihrem, in Mechanikeruniform anrückenden Chef die Türklinke zur Werkstatt in die Hand gaben.

Der Kopf der Firma, normalerweise an seinem Platz im Büro anzutreffen und nach Bausatzanlieferung wie jeder andere Kit Car-Besitzer sicherlich von einer gewissen Akribie befallen, machte sich nun allabendlich an´s Werk:
Zunächst zerlegte er einen alten Ford Taunus mit 2 Liter V6-Motor in seine Einzelteile, was man wörtlich nehmen kann, denn schließlich fanden sich auf der "Schlachtbank" Kleinstteile wie Motorlagerschalen, Kolbenringe etc.. Im Klartext:
Jürgen Herberholz zerlegte die V6-Maschine und baute das Aggregat mit Neuteilen wieder auf, sandstrahlte und revidierte Teile der Vorder- und Hinterachse, tauschte Teile der Bremsanlage aus und verschömerte den Motor/Fahrwerksbereich zusätzlich hier und da durch Lackieren und Verchromen.
Die Auspuffanlage wurde selbst zusammengestellt und für den seitlichen Einbau am Fahrzeug angepaßt.

Die von einem Triumph Spitfire stammenden Sitze baute Jürgen Herberholz so um, daß sie 4 cm schmäler wurden. Das so bearbeitete Rohrgestell gab er anschließend zum Beziehen zum Sattler, der auch das von Herberholz entworfene Verdeck anfertigte.

Nach derartigem ca. 7-monatigem Treiben rollte schließlich ein lackierfertiger Merlin plus 2 aus der Werkstatt, und um dem Fahrzeug das "Sahnehäubchen" zu verpassen, wurde ein Lackierer ausgesucht, der bezüglich GFK-Lackierungen besondere Referenzen vorzuweisen hatte.

Die letzten Worte sprach schließlich der TÜV - doch es waren durchweg freundliche Worte und somit stand schließlich der ersten Überlandfahrt mit dem Merlin nichts mehr im Wege.

Die leichtgängige Lenkung und Bremsen überraschten selbst den Baumeister angenehm, und die Federung, erziehlt durch die im Bausatz enthaltenen Federn und Dämpfer, erschienen Jürgen Herberholz weniger hart und somit sogar angenehmer als die von zahlreichen probegefahrenen Morgan-Roadstern. Vielleicht stimmt die oben aufgestellte Gleichung doch nicht so ganz?

Auf jeden Fall vermittelt der Merlin alle Vorzüge des englischen Klassikervorbilds und erreicht - durch den Einbau solider Großserientechnik - ein hohes Maß an Zuverlässigkeit.
Jürgen Herberholz weiß diesen Vorteil zu schätzen, und - entgegen dem Garagendasein der oftmals allzugut behüteten Orginale, darf der Merlin auch schon mal raus auf große Fahrt.


Fahrzeugtyp: Merlin plus 2
Baujahr: 1989
Motor: Ford 2.0 ltr V6, 90 PS, neu revidiert
Chassis: Rahmen aus Vierkantrohrprofielen
Fahrwerk: Vorder- und Hinterachse vom Ford Taunus 2.0
Lenkung: Ford Taunus
Bremsen: Vorne Scheiben, hinten Trommel, jeweils Ford Taunus
Räder: Alufelgen mit 185/70/VR 15 Bereifung
Innenausstattung: Fußraum und Kofferraum mit Teppichboden ausgeschlagen, lederbezogene Sitze, Wurzelholzarmaturenbrett, VDO-Classic Instrumente
Höchstgeschwindigkeit: ca. 175 km/h, (auf Prüfstand ermittelt, da TÜV-Freigabe nur bis 130 km/h)
Beschleunigung: 0-100 km/h in ca. 10 Sekunden
 
Wert: 52.000 DM laut Wertgutachten
 
Besitzer: Jürgen Herberholz, 4772 Bad Sassendorf
 
Bausatzanbieter:
Mohr Automobile GmbH
Siemensstr. 6
7541 Straubenhardt-Feldrennach
Tel.: 07082/50569
Fax.: 07082/5865
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